Tennisbegriffe: Grundwortschatz für Beginnende

Was passiert eigentlich, wenn jemand „den Falken ruft”?
Tennisbegriffe: Grundwortschatz für Beginnende

Wenn es um Tennisbegriffe geht, verstehst du nur Bahnhof? Kein Problem! Mit diesem Grundwortschatz für Beginnende bist du für jeden Schlagabtausch gerüstet.

Der große Tennis-Boom der 80er und 90er Jahre, der damals mit den Erfolgen von Steffi Graf und Boris Becker einherging, ist lange vorbei, doch Tennis erfreut sich immer noch großer Beliebtheit. Tennisspielende hatten Glück: Während der Covid-19 Pandemie blieben die Hallen großteils (unter strengen Hygieneauflagen) geöffnet, lediglich während der harten Lockdowns mussten sie schließen.

Dieses Jahr wurde außerdem Tennisgeschichte geschrieben: Alexander Zverev holte in Tokio das erste deutsche Olympiagold im Herren-Einzel!

Vielleicht hast du ja schon einmal von Aufschlägen, Vorhänden, Halbvolleys, Bestgesetzten oder eine der vielen anderen Besonderheiten im Tennis gehört. Die von der Sportpresse verwendeten Begriffe sind manchmal etwas rätselhaft (ganz zu schweigen von dem Punktesystem, das einen eigenen Artikel verdient). Deshalb haben wir uns entschieden, ein Fachglossar zu diesem Thema zu erstellen. Wenn du dir ein Spiel ansiehst, bei dem vielleicht sogar deutsche Tennisspielende mit von der Partie sind, wirst du mit diesen Tennisbegriffen garantiert punkten können.

Und vielleicht kannst du sogar zeigen, wie gut du das Spiel mit dem kleinen gelben Ball beherrscht. Die Tennisfachsprache ist ziemlich komplex und ein einziger Artikel reicht wahrscheinlich nicht aus, um sie zu beherrschen. Aber irgendwo muss man schließlich anfangen, oder?

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Tennisbegriffe: die Schläge

Zunächst einmal solltest du die Namen der Schläge kennen, die mit dem Schläger ausgeführt werden. Hier die erste gute Nachricht: Es gibt nur drei, die du unbedingt kennen musst.

Die Grundschlagarten: Aufschlag, Vorhang und Rückhand

Der Aufschlag ist der Schlag, mit dem das Spiel beginnt; der Schlag, der den Ballwechsel einleitet. Wenn der Aufschlag einen direkten Punkt bringt, ohne dass die Gegenseite den Ball berühren kann, nennt man ihn ein Ass. Der Return hingegen ist der Schlag, mit dem die Gegenseite versucht, den Aufschlag abzufangen.

Der Unterschied zwischen Vorhand und Rückhand wird durch die dominante Hand definiert, das heißt die Hand, mit der der Schläger gehalten wird. Wenn du den Schläger in der rechten Hand hältst, ist die Vorhand der Schlag, den du spielst, wenn der Ball rechts von dir liegt.

Wenn du den Ball links von dir schlägst, spielst du mit der Rückhand. Die Rückhand (in sehr seltenen Fällen aber auch die Vorhand) kann mit einer oder zwei Händen geschlagen werden. Ersteres ist eine einhändige Rückhand, letzteres eine beidhändige Rückhand.

Neben diesen drei Grundschlagarten gibt es noch weitere, die man kennen sollte.

Weitere Tennisbegriffe zum Schlag

  • Der Volley wird in der Luft gespielt, das heißt bevor der Ball auf dem Spielfeld aufkommt.
  • Der Halbvolley ist ein sehr seltener Schlag und wird oft in der Nähe des Netzes gespielt. Dieser Schlag wird den Bruchteil einer Sekunde nach dem Aufprall gespielt und ist sehr schwer zu kontrollieren, so dass er nur wenige Male pro Spiel vorkommt.
  • Der Schmetterball ist, ähnlich wie ein Dunk im Basketball, ein starker, kraftvoller Schlag, der mit ausgestrecktem Arm über den Kopf ausgeführt wird.
  • Beim Lob wird der Ball hoch über den Kopf der Gegenseite geschlagen.
  • Der Stoppball (oder drop shot) ist, wie das englische Wort schon sagt, ein Schlag, der idealerweise direkt hinter dem Netz landet und die Gegenseite im hinteren Teil des Spielfelds überrascht. 

Bonuswissen: Ein Punkt kann auf zwei Arten enden. Entweder mit einem Gewinnschlag, das heißt einem Schlag, den die Gegenseite nicht zurückschlagen kann, oder mit einem Fehler, wenn die Gegenseite den Ball trifft, dieser aber ins Aus geht.

Tennisbegriffe: Wie funktioniert das Punktesystem und was ist eine „Brille“?

Bei der Punktevergabe im Tennis ist es schwer, den Überblick zu behalten. Die Tennisbegriffe selbst sind kompliziert genug, aber zu verstehen, wie die Punkte vergeben werden, ist vielleicht der am wenigsten intuitiv nachvollziehbare Teil.

Ein Beispiel: Die Person, die die meisten Punkte hat, gewinnt nicht unbedingt die Partie.

Spiel, Satz, Sieg

Um ein Match zu gewinnen, muss man normalerweise zwei Sätze gewinnen. Um einen Satz zu gewinnen, muss man 6 Aufschlagspiele gewinnen (oder 7, wenn beide Seiten jeweils auf sechs Aufschlagspiele kommen; in diesem Fall wird ein Tie-Break gespielt, und die Person, die zuerst 7 Punkte erreicht, gewinnt den Satz). Um ein Aufschlagspiel zu gewinnen, muss man mindestens vier Punkte erzielen und einen Vorsprung von zwei Punkten haben. Die Spielenden schlagen abwechselnd für jeweils ein Aufschlagspiel auf, das heißt eine Seite schlägt bis zum Ende eines Aufschlagspiels auf. Ist das Aufschlagspiel beendet, geht der Aufschlag an die Gegenseite.

(Um die Sache noch komplizierter zu machen, werden Aufschlagspiele manchmal auch nur als Spiel bezeichnet. Nicht selten hört man nach dem Spiel: „Spiel, Satz, und Sieg“, die Übersetzung von game, set and match. Ja, manchmal hat man den Eindruck, dass man es uns absichtlich schwer machen will.)

Punkte zählen

Die Punkte sind also die kleinste Einheit der Wertung im Tennis und werden auf eine spezielle Art und Weise gezählt, deren Ursprung weit zurückreicht und etwas rätselhaft ist: Der erste Punkt ist „15“, der zweite „30“, der dritte „40“.

Wenn eine Seite drei Punkte gewonnen hat und die Gegenseite einen, lautet das Ergebnis 40-15. Wenn eine Seite den vierten Punkt gewinnt, hat sie das Spiel gewonnen. Haben hingegen beide Seiten jeweils drei Punkte gewonnen (40-40), geht das Spiel weiter, bis eine Seite mit zwei Punkten Vorsprung gewinnt. In diesem Fall liegt ein Einstand (oder Deuce) vor, wenn beide Seiten gleichauf sind, und ein Vorteil, wenn eine von ihnen einen Punkt Vorsprung hat. Kinderleicht, oder?

Bonuswissen: Einer der gebräuchlichsten Tennisbegriffe, den man hört, ist Break, was nichts mit einer Pause zu tun hat (obwohl es auch üblich ist, den Ausdruck Toilettenpause beziehungsweise toilet break zu hören, wenn eine der spielenden Personen auf die Toilette gehen möchte).

Einen Break schafft die nicht aufschlagende Seite, wenn sie das Spiel gewinnt. Dies ist ein sehr wichtiger Begriff, denn im Profitennis ist es sehr schwierig, einen Break zu schaffen. Der Aufschlag ist normalerweise ein sehr kraftvoller Schlag, der die Person, die aufschlägt, in eine sehr vorteilhafte Position bringt. Im Allgemeinen hat die Person, die aufschlägt, die besseren Chancen, das Spiel zu gewinnen. Wenn man ein Spiel gewinnt, ohne den Aufschlag zu haben, dann erhöht man seine Chancen auf den Satzgewinn erheblich.

Was haben œuf und love miteinander zu tun?

Auf Englisch heißt der Spielstand Null love. Richtig, „Liebe“. Unter allen Begriffen ist der Ursprung dieses Worts vielleicht am verwirrendsten. Einer Theorie zufolge hieß die Zahl Null im Tennis früher œuf, „Ei” auf Französisch, wegen der runden Form der Zahl. Die englischen Tennisspielenden waren es leid, ein französisches Wort zu verwenden und beschlossen, den Begriff auf ihre eigene Weise zu übersetzen. Sie wählten also das ähnlich klingende Wort love.

Es gibt noch ein weiteres interessantes Wort, das aus dem englischen Tennis stammt: Bagel (oder „Brille“ auf Deutsch). Wenn ein Satz 6:0 endet, sagt man, dass eine Seite ihrem Gegenüber einen Bagel oder eine Brille verpasst hat. Der Grund dafür liegt auf der Hand, wenn man sich die Form dieser beiden Objekte ansieht.

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Spielweise: Falken, Longline und Zyklopen

Ok, jetzt, wo wir verstanden haben, wie die Schläge heißen und wie Punkte vergeben werden, wollen wir uns einmal ansehen, wie das Spiel selbst funktioniert. Um Tennisbegriffe besser zu verstehen, muss man sich erst einmal über den Unterschied zwischen Cross und Longline im Klaren sein.

Longline vs. cross

Die Unterscheidung ist eigentlich ganz einfach: Wenn der Ball rechts von mir liegt und ich ihn rechts von meinem Gegenüber aufkommen lassen möchte, spiele ich ihn cross, also quer über das Spielfeld; möchte ich ihn dagegen links von meinem Gegenüber aufkommen lassen, spiele ich ihn longline, also entlang der Linie. Aus anatomischen Gründen ist es leichter, einen Ball cross zu spielen als longline.

Aber das ist nicht der einzige Grund: Das Tennisnetz ist an den Seiten etwas höher. Aus diesem Grund ist der Longline im Allgemeinen riskanter als der Cross. Gleichzeitig kann er, wenn er gut ausgeführt wird, zu einem Gewinnschlag werden oder das Blatt wenden.

Im Aus, overrule, challenge oder doch den Falken rufen?

Damit es sich um einen guten Schlag handelt, muss der Ball in einem bestimmten Teil des Spielfelds landen. Ist dies nicht der Fall, erklären die Linienrichtenden (also die Schiedsrichtenden hinter den Spielenden, deren Aufgabe es ist, zu überprüfen, ob ein Ball ins Aus gegangen ist oder nicht) den Ball für im Aus und beenden damit den Punkt.

Aber was passiert, wenn die Linienrichtenden sich irren? Es gibt zwei Möglichkeiten: Der oder die Stuhlschiedsrichtende, also jene Person, die auf dem hohen Stuhl in der Mitte des Spielfelds sitzt, kann die Entscheidung aufheben (der Fachausdruck lautet overrule) und den Punkt neu zuweisen (oder erneut ausspielen lassen).

Alternativ dazu kann die Seite, die nicht einverstanden ist, eine Challenge verlangen und um eine „Überprüfung“ bitten. Bei den wichtigsten (und höchstdotierten) Turnieren der Welt wird ein Kamerasystem eingesetzt, um die Flugbahn des umstrittenen Balls zu rekonstruieren und anzuzeigen, ob der Punkt zählt oder nicht. Die am häufigsten eingesetzte Technologie heißt Hawk-Eye (also „Falkenauge“), weshalb man manchmal hört, dass einer der spielenden Personen „den Falken gerufen“ hat, also darum gebeten hat, das mittels Videobeweis überprüft wird, ob die Entscheidung richtig war oder nicht. Diese Tennisbegriffe kannst du dir aufgrund der witzigen Benennung bestimmt gut merken!

Bonuswissen: In den 1980er Jahren wurde eine andere, heute nicht mehr existierende Technologie namens Zyklop verwendet, die nur feststellte, ob ein Aufschlag im Aus war oder nicht. 

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Tennisbegriffe: Turniere, Bestgesetzte und glückliche Verlierende

Wir werden hier nicht näher darauf eingehen, wie die Rangliste funktioniert, wer an einem Turnier teilnehmen darf und wer nicht, denn das würde das Ausmaß dieses Artikels sprengen. Du solltest nur wissen, dass es vier große Turniere für Männer und Frauen gibt, die jeweils zwei Wochen dauern.

Die Turniere

Dabei handelt es sich um die Grand-Slam-Turniere:

  • die Australian Open, die im Januar in Melbourne stattfinden
  • die French Open (oder Roland Garros), die zwischen Mai und Juni ausgetragen werden
  • Wimbledon, das berühmteste Turnier, das im Juli in London stattfindet, und schließlich
  • die US Open, die im September in New York ausgetragen werden.

Dies sind die prestigeträchtigsten, höchstdotierten und am besten bewerteten Turniere. Eines dieser vier Turniere zu gewinnen, und sei es auch nur einmal in der gesamten Laufbahn, ist das höchste Ziel für alle professionell Tennisspielenden.

Neben den Grand-Slam-Turnieren gibt es noch andere prestigeträchtige Turniere, aber keines von ihnen kommt an sie heran. Eines davon sind die ATP Finals, für das sich die acht besten Spielenden der Saison qualifizieren. Die WTA-Finals der Damen finden derzeit in Shenzhen, China, statt, während die ATP-Finals der Herren ab diesem Jahr in Turin ausgetragen werden.

Das KO-Verfahren & die Lucky Losers

Mit Ausnahme dieser beiden Turniere, für die es eine besondere Formel gibt, gilt im Tennis eine sehr einfache Regel: Wer gewinnt, kommt weiter, wer verliert, scheidet aus. Die Turniere werden also im KO-Verfahren ausgetragen, und die Auslosung folgt bestimmten Regeln, die auf dem Ranglistenplatz der teilnehmenden Spielenden basieren.

In diesem Zusammenhang ist der Tennisbegriff „bestgesetzt“ wichtig. Grundsätzlich sind die stärksten Spielenden gesetzt und profitieren von einer günstigen Auslosung. So können die besten Spielenden, zumindest nach der offiziellen Rangliste, nur in der Endrunde des Turniers gegeneinander antreten.

Ist dir aufgefallen, dass bei der Anzeige des Ergebnisses eines Spiels neben dem Namen einiger Spielenden eine Zahl in Klammern steht? Diese Zahl ist die Position auf der „Setzliste” (seed, auf Englisch) und je niedriger sie ist, desto stärker ist der Spieler.

Bonuswissen: Wenn du dir die Tabelle der Spielenden eines Turniers anschaust (auch draw genannt), kannst du neben dem Namen einiger Spielenden ein „Q” oder die Buchstabenfolge „LL“ sehen. „Q” steht für Qualifikant:innen, die eine Qualifikationsrunde absolvieren mussten, da sie aufgrund ihrer Ranglistenplatzierung sonst nicht an diesem Turnier teilnehmen hätten dürfen. „LL” steht für Lucky Loser („glückliche:r Verlierer:in”). Dabei handelt es sich um eine besondere Art der Qualifikation: Spielende, die in der Qualifikationsrunde verloren haben, aber ausgewählt wurden, weil eine spielende Person des Hauptfeldes in letzter Minute zurückgezogen hat.

Jetzt bist du bereit für deinen ersten break! …oder doch erstmal eine echte Pause, um dieses Wissen über Tennisbegriffe sacken zu lassen. 😉

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