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Warum ist es so schwer, den Rhythmus einer anderen Sprache zu lernen?

Jede Sprache groovt in ihrem eigenen Rhythmus. Erfahre, was Sprachrhythmus ausmacht und wieso er so schwer zu lernen ist.
Artikel Von Sarah Waldmann
Warum ist es so schwer, den Rhythmus einer anderen Sprache zu lernen?

Wenn du eine neue Sprache lernst, wirst du dich wahrscheinlich zunächst einmal in die Grammatikregeln einarbeiten und jede Menge neue Wörter pauken. Worüber sich die Wenigsten Gedanken machen (und was viele Lehrwerke vernachlässigen), ist der Sprachrhythmus. Denn so wie sich Sprachen in ihrer Grammatik, ihrem Vokabular und manchmal auch ihrem Schriftsystem unterscheiden, hat jede Sprache ihren eigenen Rhythmus, der beim Sprechen essenziell für die Verständlichkeit ist. Hier erfährst du, was Sprachrhthythmus ausmacht und warum es so verflixt schwer ist, den Rhythmus einer anderen Sprache zu lernen. Weiter unten verraten wir dir außerdem die rhythmischen Merkmale von vier häufig gelernten Sprachen.

Was ist Sprachrhythmus?

Sprachrhythmus findet sich nicht nur in vorgetragenen Gedichten, sondern in jeglicher Art der mündlichen Kommunikation. Er gliedert unseren Redefluss in kleinere Abschnitte und erleichtert unserem Gegenüber das Verstehen. So wie die regelmäßigen Taktschläge den Rhythmus eines Musikstücks bestimmen, gibt es auch in der Sprache bestimmte Merkmale, die einen spezifischen „Beat“ enstehen lassen:

  • Dauerunterschiede: Werden alle Silben gleich lang gesprochen oder sind manche länger und andere verkürzt?
  • Betonungsmuster: Stehen betonte Silben eher am Anfang oder am Ende von Wörtern bzw. Phrasen?
  • Phonologische Eigenschaften: Verändern sich Vokale in unbetonten Silben? Gibt es komplexe Silben mit vielen Konsonanten oder überwiegen einfache, offene Silben?

Das klingt erst einmal abstrakt, aber tatsächlich nimmt das menschliche Ohr diese Unterschiede deutlich wahr. Als Beispiel: Eine Sprache, in der alle Silben etwa gleich lang und alle Vokale ziemlich gleich deutlich gesprochen werden („da-da-da-da-da“), klingt logischerweise rhythmisch anders, als eine Sprache mit Silben, die in ihrer Dauer stark variieren („DAA-da-DAA-da-da“). 

Warum ist es so schwer, den Rhythmus einer anderen Sprache zu lernen?

Wie unterscheidet sich der Rhythmus der verschiedenen Sprachen?

Mitte des 20. Jahrhunderts wurde in der Rhythmusforschung die Idee populär, dass alle Sprachen der Welt sich in zwei Rhythmusgruppen einteilen lassen: Entweder zeichnet sich ihr „Takt“ durch regelmäßige, gleichlange Silben aus und ist daher silbenzählend. Oder aber der Abstand von betonter Silbe zu betonter Silbe ist konstant, weshalb die dazwischenliegenden, unbetonte Silben „gestaucht“ und somit kürzer ausgesprochen werden. Diesen Rhythmus, den man unter anderem dem Deutschen zuschreibt, nennt man akzentzählend.

Dazu kam später die Annahme von einem dritten Rhythmustypen, der nicht auf Silben, sondern einer kleineren Einheit, der More, basiert. Moren geben das Silbengewicht an: Eine offene Silbe mit kurzem Vokal wie „da“ ist leicht, hat also eine More, während eine geschlossene Silbe wie „das“ oder eine Silbe mit langem Vokal schwer und damit zweimorig ist. Japanisch und Finnisch sind Beispiele für morenbasierte Sprachen, in denen die Morenanzahl einer Silbe maßgeblich für die Bedeutung eines Wortes sind.

Mittlerweile geht man davon aus, dass eine solche Einteilung viel zu grob ist und Sprachrhythmus auch noch von anderen Faktoren abhängt (siehe oben). Außerdem gibt es Sprachen wie Polnisch, Brasilianisches Portugiesisch, Griechisch und Katalanisch, die Eigenschaften von beiden Rhythmustypen aufweisen und somit einen „Mischrhythmus“ haben. Hier kommt eine kleine Übersicht über die wichtigsten rhythmischen Merkmale einiger Sprachen:

Englisch: im Zweifelsfall reduziert

Englisch weist ebenso wie Deutsch viele Eigenschaften eines akzentzählenden Rhythmus’ auf: Vokale in unbetonten Silben werden zum Schwa-Laut /ə/ reduziert, wie das „a“ in about [əˈbaʊt], oder ganz weggelassen wie das letzte „e“ in heaven [ˈhevn]: Hier besteht die letzte Silbe nur noch aus einem „n“. Betonte Silben haben hingegen einen voll ausgesprochenen Vokal und eine komplexere Struktur, wie bei stretched [stretʃd], „gestreckt“. Dadurch stechen sie akustisch hervor und signalisieren den Hörenden: Achtung, hier kommt ein Bedeutungswort! Deutsche Muttersprachler*innen machen im Englischen übrigens häufig den Fehler, Vokale in unbetonten Silben zu deutlich auszusprechen, wie in *[ɑˈbaʊt].

Spanisch: gleichmäßiges Staccato

Spanisch gilt als Prototyp einer silbenzählende Sprache. Die Silben sind größtenteils offen, Vokale in unbetonten und betonten Silben werden gleich behandelt, sodass der Sprachrhythmus gleichmäßig und staccatohaft wirkt, wie in la ca-sa tie-ne cua-tro pa-re-des („das Haus hat vier Wände“). Die einfache Silbenstruktur des Spanischen ermöglicht es Sprechenden, viele Silben pro Sekunde zu äußern, weshalb Spanisch Nicht-Muttersprachlern rasend schnell erscheint.

Französisch: weich dank wenig Wortakzent

Neben den überwiegend offenen Silben (Konsonanten im Wortauslaut sind oft stumm, wie bei doigt [dwa] „Finger“) ist eine der wichtigsten rhythmischen Eigenschaften des Französischen der fehlende Wortakzent. Das bedeutet: In der gesprochenen Sprache hat nicht jedes Wort eine betonte Silbe, lediglich die letzte Silbe am Ende jeder Phrase wird betont. Das verleiht der französischen Sprache ihren weichen, fließenden Klang – ist aber gleichzeitig auch ein Albtraum für Französischlernende, die versuchen, im Redefluss einzelne Wörter zu identifizieren. Herausforderung für deutschsprachige Lernende: die unterbewusste Tendenz, jedem Bedeutungswort einen Wortakzent zu verpassen, wodurch zu viele Silben betont werden.

Portugiesisch: eine Sprache, zwei Rhythmen

Jetzt wird es interessant – denn Portugiesisch hat gleich zwei charakteristische Rhythmuskonturen, je nachdem, welche Varietät dieser romanischen Sprache wir betrachten: Während die europäische Varietät Vokale in unbetonten Silben stark reduziert oder weglässt, sodass beim Sprechen teilweise höchst komplexe Silben entstehen (Portugal wird zu [prtugal]), fügt man im brasilianischen Portugiesisch noch extra Vokale ein, um allzu viele Konsonanten hintereinander zu vermeiden (adverso „feindlich“ wird zu [adʒiˈversu]). Dennoch verändern sich Vokale in unbetonten Silben auch im Brasilianischen ([o] wird zu [u], [e] zu [i], [a] manchmal zu [ə], weshalb wir hier kein ratterndes Staccato wie im Spanischen wahrnehmen, sondern eher einen offenen, melodiösen Klang.

Warum ist es so schwer, den Rhythmus einer anderen Sprache zu lernen?

Warum ist es so schwer, den Rhythmus einer anderen Sprache zu lernen?

Dass sich viele Lernende mit dem Rhythmus einer anderen Sprache schwertun, hat mehrere Gründe. Zum einen ist der Sprachrhythmus unserer Muttersprache so fest in unserem Gehirn verankert, dass wir unsere muttersprachlichen Rhythmusstrukturen häufig auf eine andere Sprache übertragen, ohne uns dessen bewusst zu sein. Sprachrhythmus ist nämlich der Aspekt von Sprache, den wir zuallererst lernen: Selbst Säuglinge nehmen schon den Rhythmus der Sprache ihrer Mutter wahr und können diesen von anderen Sprachrhythmen unterscheiden.

Zum anderen sind sich die meisten gar nicht bewusst, was die rhythmischen Eigenschaften ihrer Muttersprache sind und wie sich diese von der Zielsprache unterscheiden, während man beim Erlernen von grammatischen Regeln und Vokabeln immer unwillkürlich abgleicht, was die Unterschiede zwischen Muttersprache und Zielsprache sind.

Ein weiterer bedeutender Grund dafür, warum der Rhythmus einer anderen Sprache so schwer zu lernen ist, sind die Lehrwerke und Sprachkurse an sich: Die meisten legen ihren Fokus auf die geschriebene Sprache und vernachlässigen dabei oft Phänomene der gesprochenen Sprache, die über die Aussprache einzelner Laute hinausgehen. Klar, Grammatik und Vokabular sind wichtig, aber letztlich lernen wir eine neue Sprache, um effizient mit anderen kommunizieren zu können, und dazu gehört nunmal der richtige Sprachrhythmus.

Probier es doch mal mit folgenden Gegenmaßnahmen, um den Rhythmus deiner neuen Sprache zu lernen: Biete deinem Gehör soviel gesprochenen Input in deiner Lernsprache wie möglich! Ob Podcasts, Filme, Nachrichten oder Musik – durch das Hören deiner Zielsprache bekommst du ein Gespür für Silbendauern und Betonungsmuster.

Übrigens: Unsere Babbel-Sprachkurse werden alle von Muttersprachler*innen vertont, sodass du von Anfang an die richtige Betonung hörst und nachsprechen kannst. Vor allem die nützlichen Alltagsdialoge geben dir einen guten Eindruck davon, wie deine neue Sprache „tickt“.

Worauf wartest du noch? Beginne jetzt deine Sprachlernreise.
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Sarah Waldmann
Am Bodensee mit multidialektalem Hintergrund aufgewachsen, beherrscht Sarah mittlerweile mehr als nur Schwäbisch und rudimentäres Plattdeutsch: Nach Abi und Andenabenteuern zog sie nach Berlin und studierte dort Spanisch und Portugiesisch. Einige Auslandaufenthalte auf der Iberischen Halbinsel später forscht sie nun zu Spracherwerb und schreibt als freie Autorin über Sprachen, Gott und die Welt.
Am Bodensee mit multidialektalem Hintergrund aufgewachsen, beherrscht Sarah mittlerweile mehr als nur Schwäbisch und rudimentäres Plattdeutsch: Nach Abi und Andenabenteuern zog sie nach Berlin und studierte dort Spanisch und Portugiesisch. Einige Auslandaufenthalte auf der Iberischen Halbinsel später forscht sie nun zu Spracherwerb und schreibt als freie Autorin über Sprachen, Gott und die Welt.

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