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Die Schule der britischen Akzente: Der Cockney (Rhyming Slang)

Du liebst London? Dann solltest du deinen Traum wahr machen und lernen, wie ein:e echte:r Cockney zu reden!
Artikel Von Ben Davies

Städte sind oft die Brutstätte für Akzente und Dialekte. Denn sie sind die perfekte Mischung aus abgeschotteten, konzentrierten Communitys, in denen die Menschen ihre ganz eigenen Ausdrucksweisen entwickeln können. Darum ist es auch keine Überraschung, dass einer der berühmtesten britischen Akzente aus einem einzigen Viertel in London stammt: das Cockney.

Im Laufe der Jahrhunderte ist der Cockney-Akzent zu einem Synonym der Londoner Arbeiter:innenklasse geworden – er wird vor allem mit dem East End in Verbindung gebracht. Früher galt als Cockney, wer die Redewendung „born within the sound of the Bow Bells“ erfüllte, das heißt, wer in der Nähe der Kirche St. Mary-le-Bow in Cheapside, London, das Licht der Welt erblickte. Das mag zwar zutreffend sein, aber man muss nicht unbedingt nach London reisen, um den Cockney zu hören. Denn dieser Akzent, der zuerst in einem winzigen Stadtviertel gesprochen wurde, hat mittlerweile die ganze Welt erobert.

Die Ursprünge des Cockney-Akzents

Es ist gar nicht so einfach, den zeitlichen Ursprung dieses Akzents zu bestimmen, denn er hat sich langsam über die Jahrhunderte entwickelt. Der Begriff cockney wurde bereits im 14. Jahrhundert verwendet, zunächst aber bezeichnete er ein Ei (der Begriff cock bezeichnet ja auch einen Hahn). Doch eine merkwürdige sprachliche Umwandlung führte schließlich dazu, dass cockney in den 1520er Jahren als – abwertende – Bezeichnung für Städterinnen und Städter verwendet wurde, die im Vergleich zu den Menschen auf dem Land als weniger robust galten. In den folgenden Jahrzehnten assoziierte man den Begriff vor allem mit Londonerinnen und Londonern aus dem East End, die wir auch heute noch Cockneys nennen.

Der Akzent dagegen entwickelte sich auf dem üblichen Wege: Er wurde durch zahlreiche andere Akzente in England beeinflusst, insbesondere durch den in Essex und in anderen Landstrichen rund um London. Außerdem gibt es Cockney-Begriffe, die aus anderen Sprachen adaptiert wurden, darunter Jiddisch und Romani.

Bei der Suche nach den Ursprüngen hilft vor allem ein Merkmal des Cockney-Dialekts: der „Cockney Rhyming Slang. Dabei handelt es sich um ein Slang-System, das reimende Wörter und gebräuchliche Ausdrücke in einer Art und Weise verwendet, die für Außenstehende sehr verwirrend sein kann. Aber dazu später mehr …

Der Rhyming Slang trat erstmals Mitte des 19. Jahrhunderts in East London auf; dort priesen fahrende Händler:innen ihre Waren auf den Straßen im Rhyming Slang an. Es gibt zahlreiche Theorien zu der Frage, warum sie so sprachen. Vielleicht war es der spielerische Versuch, die Aufmerksamkeit der Passierenden zu wecken und die Konkurrenz zu übertrumpfen. Eine andere Theorie besagt, dass die Handelnden diesen Slang entwickelten, um ihre Kundschaft zu verwirren, damit sie am Ende den verlangten Preis bezahlte, ohne weiter nachzufragen. Es gibt Gerüchte, dass dieser Trick auch funktionierte, wenn die Polizei die Handelnden auf nicht ganz so legale Aktivitäten ansprach.

Heute allerdings findet man kaum noch Londoner:innen, die ausschließlich in Rhyming Slang reden. Trotzdem benutzen viele von ihnen oft unbewusst den Cockney Rhyming Slang, selbst wenn in ihrer Alltagssprache nicht mehr viel Cockney übrig ist.

(Das könnte dich auch interessieren: Der Unterschied zwischen Dialekt und Akzent)

So eignest du dir den Cockney-Akzent an

Um wie ein:e waschechte:r Cockney zu klingen, musst du zuallererst die verschiedenen Laute beherrschen. Cockney hat ein paar auffällige Besonderheiten, vor allem im Vergleich zur gehobenen Aussprache der britischen Upper Classes.

Der „th“-Laut beispielsweise wird in Wörtern wie think („denken”) durch einen F-Laut ersetzt – dieses Phänomen nennt man TH-Fronting. Genauso wird der „h“-Laut in Wörtern wie hospital („Krankenhaus”) oder holiday („Urlaub”) ganz weggelassen, diese Wörter werden dann also wie ospital bzw. oliday ausgesprochen.

Für seine Sprechenden ist der Akzent zu einem Attribut des Stolzes geworden, denn er bringt zum Ausdruck, wie hart sie arbeiten und wie bodenständig sie sind. Besonders gut zeigt sich diese offene und freundliche Haltung im Cockney-Gruß „Awite mate!“ („Wie geht es dir, Kumpel?”)

Natürlich versuchen viele Menschen, cockney zu klingen – und viele scheitern dabei. Tatsächlich sind es so viele, dass es sogar einen Namen für das „Fake Cockney“ gibt, mit dem manche versuchen, cool zu klingen: Mockney (von to mock, „nachahmen”). Einen Akzent zu imitieren, erfordert ein sehr gutes Gehör und jede Menge Übung. Zum Glück ist Cockney aber mehr als nur ein Akzent.

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Der Cockney Rhyming Slang

Angenommen, du läufst durch eine Straße in East London und plötzlich kommt ein Unbekannter auf dich zu und fragt dich: „Fancy a Britney in the nuclear, me old china?“ Und dann geht es fröhlich weiter so, mit hail and rain, frogs and toads, apples and pears. Du lächelst nur höflich und nickst, hast aber nicht die leiseste Idee, was dieser Typ da erzählt. Du fürchtest, im nächsten Moment alleine auf der Straße zu stehen, in deinen Händen eine Kiste mit zerbrochenem, gebrauchten Geschirr – und dein Portemonnaie um 20 Pfund leichter. Was ist passiert? Tja, du hattest wohl eine Begegnung mit dem Cockney Rhyming Slang …

Das Konzept des Rhyming Slang ist – du ahnst es schon –, dass sich alles auf das Wort reimt, das eigentlich gemeint ist. Nuclear sub zum Beispiel bedeutet pub. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts haben sogar Ikonen der Popkultur Einzug in den Cockney Rhyming Slang gehalten: Britney soll natürlich an Britney Spears erinnern, was sich wiederum auf beers („Biere”) reimt. Dein neuer East London-Buddy wollte also nicht wissen, ob du Lust auf schlechte Karaoke in einem Militär-U-Boot hast, sondern ob du mit ihm ein Bier im Pub trinken gehst. Und was ist mit old china? Das hat nichts mit asiatischen Ländern oder Porzellan (das englische Wort china bedeutet „Porzellan“) zu tun, sondern steht für china plate, also „Porzellanteller“, was wiederum das gereimte Pendant zu mate, also „Kumpel“, ist.

Wo kannst du den echten Cockney-Akzent hören?

Spitz deine Ohren, wenn du das nächste Mal in London bist. Du wirst schnell feststellen, dass Cockney und der Cockney Rhyming Slang in der britischen Metropole immer noch weit verbreitet sind.

Wenn du deinen eigenen Cockney-Akzent aber lieber vom Sofa aus aufpolieren willst, kannst du mit dem wohl berühmtesten Cockney-Vertreter seiner Art nichts falsch machen: Michael Caine. Möchtest du dagegen wissen, wie der Cockney-Dialekt den modernen Londoner Akzent beeinflusst hat, solltest du dir Jason Stathams Auftritt im Film „Snatch – Schweine und Diamanten” ansehen.

So benutzt du den Cockney Rhyming Slang richtig

Viele Leute, die den Cockney-Dialekt nachahmen, denken, es reiche schon, einen Ausdruck wie apples and pears in einen Satz zu werfen, um sich vollkommen unauffällig unter die Einheimischen in einem Pub im East End zu mischen. Aber falsch gedacht! Wenn du mit einem bzw. einer waschechten Cockney-Sprechenden mithalten willst, musst du lernen, den Cockney Rhyming Slang richtig einzusetzen. Und das ist eine Kunst.

Das Geheimnis? Wenn du solche typischen Reime in einem Satz verwendest, brauchst du nur das erste Wort des Reims zu sagen. Klingt ziemlich kompliziert, oder? Wir haben ein paar Beispiele, um dir zu zeigen, was wir meinen:

„I want to rabbit with you in the nuclear.“

  • Übersetzung ins Englische: „I want to talk with you in the pub.“ („Ich möchte mit dir im Pub sprechen.”)

Das steckt hinter dem Reim: rabbit (and pork) = talk; nuclear (sub) = pub

„Fancy a butcher’s?“

  • Übersetzung ins Englische: „Want to take a look?“ („Willst du mal schauen?”)

Das steckt hinter dem Reim: butcher’s (hook) = look

„Babbel rang me on the dog.“

  • Übersetzung ins Englische: „Babbel rang me on the phone.“ („Babbel hat mich am Telefon angerufen.”)

Das steckt hinter dem Reim: dog (and bone) = phone

Na, hast du jetzt Lust, in ein klassisches Londoner Taxi zu hüpfen und mit einem echten Cockney oder einer echten Cockney zu quatschen? Awite mate!

Dein Interesse an Sprachen ist noch lange nicht gestillt?
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Ben Davies
Ben ist aus Essex nach Berlin gezogen, nachdem er sein Studium in Deutsch, Spanisch und Arabisch abgeschlossen hat. Wenn er gerade kein Rapa Nui lernt, schaut er sich surreale Filme aus den 20er Jahren an, improvisiert am Klavier und konjugiert unregelmäßige Verben. Zur Zeit verwirrt er die Berliner mit seinem britischen Humor.
Ben ist aus Essex nach Berlin gezogen, nachdem er sein Studium in Deutsch, Spanisch und Arabisch abgeschlossen hat. Wenn er gerade kein Rapa Nui lernt, schaut er sich surreale Filme aus den 20er Jahren an, improvisiert am Klavier und konjugiert unregelmäßige Verben. Zur Zeit verwirrt er die Berliner mit seinem britischen Humor.

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